Montag, 22. August 2016

Shanghai Alltag: Lärm

Das Leben in der Stadt ist laut. Klar, das wundert nicht. Aber das Leben hier in Shanghai ist, so glaube ich, nochmal eine Spur lauter, als es in einer vergleichbar großen Stadt anderswo auf der Welt wäre. Das liegt hauptsächlich an den Menschen, die den Lärm verursachen. Aber hier hat man echt kaum einmal eine Minute Ruhe. Richtig bewusst geworden ist mir das bei meinen Eltern zu Hause, als ich im Garten saß und NICHTS hörte bis auf ein paar Vögelchen und das Rauschen des Windes in den Blättern. Das kommt hier nicht vor. Nie. Selbst nachts um drei donnern die LKW durch die Straße oder irgendwer brüllt wie bescheuert in sein Handy...

Verkehr

Einer der Hauptverursacher von Lärm in Shanghai ist der Verkehr. Das liegt zum einem großen Teil an der schieren Anzahl an Autos und Mofas und Rollern und Fahrrädern und LKW, die hier 24 Stunden täglich unterwegs sind. Klar, die sind laut. Aber es liegt auch ein bisschen daran, dass die Chinesen gerne hupen. Beispielsweise wenn ein Auto an der roten Ampel steht und gerade aus fahren will und der Hintermann gerne rechts abbiegen möchte (was er auch bei rot dürfte), hupt der Hintermann einfach mal die ganze Rotphase durch. Ob er versucht, den Vordermann dazu zu bringen, sich in Luft aufzulösen oder selbst abzubiegen oder ob er sich einfach nur ärgert und dem Luft machen will – keine Ahnung, mir erschließt sich diese Logik ja nicht... Manche Mofas hupen einfach alle par Sekunden, egal wo sie sind und was sie tun, um nicht übersehen zu werden. Oder weil es Spaß macht. Keine Ahnung. Außerdem hupt man beim Überholen, beim Einfahren in eine Kreuzung, beim Herauskommen aus einer Ausfahrt, einfach so an der roten Ampel, im Stau, vor einem Zebrastreifen, beim Einfahren in eine Einfahrt, wenn einem danach ist... Also es wird viel gehupt.

Und wenn das in der Straße nicht schon genug wäre, wohnen wir am Fluss. Und manche Kapitäne scheinen Spaß mit dem Schiffshorn zu haben. Es gibt hier zum Beispiel ein Boot, dass regelmäßig an unserem Haus vorbei fährt und dabei DURCHGÄNGIG auf einer Strecke von mehreren Kilometern alle paar Sekunden das Horn betätigt. IMMER. Selbst, wenn auf dem ganzen Fluss weit und breit nicht ein einziges anderes Schiff zu sehen ist. Einfach so. Gerne auch mal um Mitternacht. Heute ist es nur noch nervig, sehr geärgert hat es mich, als der kleine Rabe eine Phase hatte, in der die Schiffshörner ihm Angst gemacht haben und er jedes Mal zu weinen anfing, wenn man ihn nicht ganz schnell auf den Arm nahm. Heute findet er es spannend und wird dann immer ganz hibbelig, wenn er gerade wach ist. Auch doof, aber wenigstens weint er nicht mehr deswegen.

Und dann ist da halt auch noch das Ding mit den Baustellen. Shanghai wächst und ändert sich in einem atemberaubenden Tempo. Dementsprechend wir immer irgendwo gebaut. Derzeit halt direkt bei uns vor der Tür. Die Hauptstraße „vorne“ wird komplett überarbeitet (und Tunnel darunter gebaut für Autos und die Metro) und der ganze Bereich zum Fluss hin wird ebenfalls bebaut und verändert. Da war bis jetzt nix und nun sollen da Compounds und Einkaufszentren und Parkanlagen hin. Das ist ja alles ganz ok, aber es geht halt auch mit viel Lärm und vielen LKW einher. Und hier wird 24 Stunden täglich an den Baustellen gearbeitet und vor allem nachts fahren die großen LKW den Schutt oder die Erde herum, weil dann kein Verkehr ist.

Menschen

Die Chinesen sind laut. Mag man vielleicht bei dem klischeehaften Bild einer zurückhaltenden Asiatin nicht gleich denken. Aber die Leute sind laut! Und das ist meistens tatsächlich kulturell bedingt.

Insbesondere Männer mit geringerem Bildungsstand sprechen in einer Lautstärke, dass einem fast die Ohren wegfliegen. Warum? Ganz einfach: Weil leise sprechen als ein Zeichen von mangelndem Selbstbewusstsein gilt. Klar, wer kaum hörbar vor sich hin säuselt wird gegebenenfalls überhört. Aber wir reden hier nicht von einer normalen Gesprächslautstärke, sondern echt von Gebrüll, das manchmal schon arg an der Schmerzgrenze kratzt. Direkt neben einem im Aufzug, zum Beispiel.

Aber auch sonst machen die Leute viel mehr Krach, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Kinder, beispielsweise, werden dauernd und penetrant übertönt und beschallt. Baby weint? Ganz laut plappern und singen und Geräusche machen! Wenn man es nicht hören kann, dann weint es auch nicht wirklich, oder so. Oh, ein niedliches Kleinkind! Sofort Bawawawalalalala schmatz schnalz schnalz dududud - sobald das Kind woanders hinschaut, hat man verloren. Wenn also zwei Tanten Aufmerksamkeit wollen, müssen sie sich gegenseitig übertönen...

Und dann sind da auch noch die anderen Geräusche, die Menschen so machen. Schlurfen, zum Beispiel. Oder Schmatzen, Rülpsen und Rotzen. Der menschliche Körper ist ein Quell schier unermesslicher Geräuschkulissen. Und das wird ausgelebt. Was raus muss, muss raus und so...

Und dann gibt es auch noch zu allem Überfluss Geräte, die Krach machen können. Kinderspielzeug, zum einen. Das ist hier grundsätzlich mit Lautsprechern ausgestattet, die einen absolut infernalischen Lärm machen. Der kleine Rabe zum Beispiel hat ein Polizeiauto, das war so derart laut und nervtötend, dass das Haselchen die Lautsprecher kaputt machen musste. Und am Lenkrad des Rutscheuatos waren die Batterien genau 4 Stunden drin, bevor wir sie - voraussichtlich für immer – wie ausgebaut haben. Und was dem Kind sein Seifenblasen-schießender-Krach-Delfin, das dem Erwachsenen sein Smartphone. Videos schaut man hier grundsätzlich auf dem Handy ohne Kopfhörer. Auch in der Metro, zum Beispiel. Lauter drumherum, weil Menschen rumbrüllen reden, telefonieren, schmatzen, selbst Videos schauen,...? Kein Problem, macht man einfach sein Handy lauter! Und was dem Erwachsenen bis zum mittleren Alter das Handy, dass dem Chinesischen Rentner dann das Radio. Wie so ein 90er Gang Kid haben sie dann ihre Radios in verschiedenen Größen dabei und beschallen die Umwelt mit Vorliebe mit Bejing Opera. Dat Zeuch klingt, als würden da Katzen am Schwanz gezogen! Ich weiß, es ist Kultur und Kunst und so, aber ich kann mich mit dem Gejaule wirklich nicht anfreunden. Also echt nicht. Und wenn sie nicht alleine Musik hören wollen (und weiblich sind), dann stellen sie einen großen Ghettoblaster auf und lassen schrecklichsten Dudel-Pop dudeln und tanzen dann in der Gruppe dazu. Ich muss das echt nochmal filmen und mit „Zombienation“ unterlegen, bevor wir hier wegziehen... XD

Bauen und Renovieren

Wie gesagt, gebaut wird immer und das 24/7. Und sobald das Gebäude dann steht ist Ruhe? Neihein! Weit gefehlt. Denn dann wird im etwa jährlichen Turnus renoviert. Wie oder warum das so ist, weiß ich nicht, aber scheinbar wird dann jeder Streifen Tapete eben einmal im Jahr von der Wand geholt. Mit der Schlagbohrmaschine.

Ehrlich, sowas habt ihr noch nicht erlebt. Also nicht, wenn ihr noch nie in China gelebt habt. Ich weiß wirklich nicht, wofür man so oft und so lange und so viel bohren muss. Herrje, ich habe mehrer Jahre meines Lebens überhaupt keine Bohrmaschine besessen und wir haben jetzt zwar eine, aber die in den 5 Jahren, die wir hier leben, genau 3 Mal eingesetzt. Und das dann jeweils für ein paar Minuten und dann war’s das auch. Und einmal wurde von Profis gebohrt, um den neuen Boiler einzubauen. Was auch binnen unter einer Stunde getan war. Hier wird trotzdem über Wochen hinweg immer und immer wieder gebohrt. Und sobald eine Wohnung dann fertig ist und von da Ruhe herrscht, fängt ein anderer Nachbar seine Renovierungsarbeiten an. Und so läuft das jedes verdammte Jahr. Seit 5 Jahren. Ab etwa März bis etwa Oktober, also so lange es warm ist. Und die ganz großen Helden fangen damit auch gerne mal abends um 22:00 – 23:00 Uhr an. Und hören dann ganz schnell wieder auf, bevor die Nachbar herausgefunden haben, wo es herkam, und sich beschweren.

Gesetzliche Ruhezeiten

Aber wenigstens gibt es gesetzlich geregelte Ruhezeiten, ne? Ja, gibt es. Glücklicherweise. Also die regeln so das ganz Grobe. Wann die Straße NICHT komplett mit dem Presslufthammer aufgerissen werden darf oder wann der Nachbar eben nicht die Wand Zentimeter um Zentimeter mit der Bohrmaschinen einreißen darf. Diesbezüglich „Ruhe“ gehalten werden muss von 20 Uhr bis 8 Uhr morgens. Und sonntags und feiertags. Ansonsten darf ungehindert 12 Stunden am Stück, 6 Tage die Woche durchgebohrt werden. Was auch fleißig genutzt wird. Und schlaucht. Zum Beispiel wenn wochenlang die Luft richtig mies ist und man nicht raus kann und dann drei Nachbarn auf einmal renovieren und man zwischen den Wänden hockt, die fleißig vibrieren und brummen. Und das 12 Stunden am Tag. Jeden Tag. Und manchmal noch ein bisschen mehr. Da wirste bekloppt bei!

Samstag, 20. August 2016

Suzhou Getaway Juli 2016

Früher, also bis zur Geburt des kleinen Raben, sind wir regelmäßig für ein paar Tage irgendwo hin gefahren. In schöne Hotels, mit Pool und vielleicht Hot Springs in der Nähe. Oder mitten in einer der zahlreichen Wasserstädte um Shanghai herum. So alle 2 Monate etwa waren wir unterwegs.

Mit Baby dann haben wir uns nicht getraut. Zu groß war unsere Sorge. Was, wenn er auf dem Weg die ganze Zeit brüllt? Und beim Frühstück langweilt er sich bestimmt. Und sitzt ja nicht gerne lange. Und wenn es regnet? Er war ja noch nie schwimmen, vielleicht ist der Pool viel zu kalt. Oder vielleicht bekommt er plötzlich Fieber. Etc pp.

Aber jetzt, mit 1 Jahr, ist er ein Kleinkind. Und das merkt man auch. Er sitzt den ganzen Tag herum, liebt Wasser, interagiert liebend gerne mit anderen Menschen und isst ausnahmslos alles, dass er kleinbekommt. Und unsere Sorgen haben sich nach dem Urlaub in Deutschland auch alle zwar nicht ganz in Luft aufgelöst, aber doch deutlich relativiert

Und so haben wir drei Tage, die ich zufällig am Stück mitten in der Woche frei hatte dazu genutzt, nochmal nach Suzhou zu fahren


Das Packen

Packen ist mit Kind irgendwie viel aufwändiger. Früher habe ich für diese Kurztrips einfach fix eine Unterhose und meinen Bikini in den Rucksack geschmissen und geschaut, dass ich ein Ladekabel und meinen Geldbeutel dabei habe. Diesmal hat das Haselchen schon am Vortag eine Tasche bereit gestellt und wir haben auch am Mittwoch noch rotiert. Windeln, Wechselsachen, Töpfchen, Wickeltasche, Schwimmring, Schwimmwindel, Kapuzenhandtuch, Schlafanzug, Kinderzahnpasta, Kokosöl, Wasserflasche,... Die Liste an Kram, den man für zwei Übernachtungen mit Kind nicht vergessen sollte, ist ja fast länger, als das Kind! Aber irgendwann habe ich dann auch noch meine Unterhosen und meinem Badeanzug dazu geschmissen und wir waren fertig.


Vor der Abreise

Nach einer unruhigen Nacht (es scheint wohl bald die nächsten Zähne zu geben) wachte der kleine Rabe morgens um 6:10 auf. -_- Aber er war nicht mehr zum Schlafen zu bewegen. Also standen wir alle zusammen auf, frühstückten, packten. Das Haselchen duschte noch und schrieb Grabtalk an, ob die uns ein Auto besorgen könnten, das uns bis nach Suzhou bringt. Das ginge nicht. Also doch Zug. Und weil der Rabe schon 4 Stunden wach und langsam müde war, legte ich mich kurz nach 10 erstmal wieder mit ihm hin. Der Checkin im Hotel war eh erst für den Nachmittag und weit ist es von Shanghai nach Suzhou nicht.


Der Weg

Nachdem der Versuch, ein Uber für die gesamte Strecke zu finden, kläglich scheiterte, buchten wir ein Auto zum Bahnhof. Das kam mit ein paar Schwierigkeiten doch noch an und wir waren froh, erstmal aus der Hitze draußen zu sein. Es waren nämlich mittlerweile 40°C. Der kleine Rabe meckerte erst eine Weile im Stau und schlief dann plötzlich ganz unerwartet ein. Beim AAm Bahnhof mussten wir erst noch einen Geldautomaten suchen und die Tickets kaufen. Die bekamen wir dann für 16:00. Dann noch mit Kind und Reisetasche durch die Sicherheitskontrolle und am richtigen Bahnsteig dann endlich in der klimatisierten Wartelounge warten.

Uff. Wir waren inzwischen alle drei klatschnass geschwitzt und die Großen waren zudem hungrig und durstig und gestresst. Wir zickten uns ein wenig gegenseitig an und beschlossen, sowas nicht wieder zu tun. Dann holten wir kühle Getränke und frische Nudeln und der Zug kam. Dank 1. Klasse hatten wir mehr als genug Platz. Der kleine Rabe stillte, wollte aber partout nicht schlafen und verschmähte auch die Nudeln. Trank dafür aber noch mehr Wasser.

In Suzhou hatten wir das große Glück, ein neues Taxi mit Sicherheitsgurt zu bekommen und das fuhr uns zum Hotel. Schon in der Auffahrt wurde unsere Laune ein wenig besser.


Das Hotel

Wir hatten im Pan Pacific Suzhou gebucht und es war der Hammer! In bester 5 Sterne Manier wurden uns alle Türen geöffnet, das Gepäck abgenommen und nach dem Check in zum Zimmer getragen. Ohne Trinkgeld oder Ähnliches, sondern einfach als der Standard-Service.

Unser Zimmer war sehr groß, mit Balkon und riesigem Bad mit Badewanne und Regendusche (Spoiler: Da habe ich es leider nicht hinein geschafft). Ein kleines bisschen vor "omg ist das toll hier" ausgeflippt bin ich dann, als ich außer Shampoo, Conditioner etc auch noch Badesalz und einen Luffa entdeckt habe. Das hatte ich bis jetzt noch in keinem Hotel...

Aber erstmal war es nun Zeit für den kleinen Raben, zu schlafen. Und zwar allerhöchste! Er schlief vor lauter Aufregung sehr viel schwerer ein, als ich erwartet hätte, schlief dafür dann aber gleich bis nach 18:00 Uhr. Nun denn. Machte nix, denn wecken will ich ihn nicht so gerne, das nimmt er einem nämlich übel und ist dann gleich stundenlang knotterig...


Die Club Lounge

Danach ging es zu unserem zweiten Wohnzimmer für die nächsten 48 Stunden: Da wir ein Club-Zimmer gebucht hatten, hatten wir auch die Annehmlichkeiten der Club-Lounge. Dazu gehörten Frühstück, Afternoon tea, Cocktail Happy Hour und Softdrinks 24/7. Und jetzt war happy hour. Ich begnügte mich mit einem Bier und extrem leckerem Ginger Ale, während das Haselchen dem Gin und Tonic fröhnte. Der kleine Rabe wuselte derweil - glücklich mit einem Auto spielend - über das Sofa und futterte den Belag vom Sandwich. Vor allem die Tomaten und Gurken. Den Sandwichtoast hingegen spuckte er immer wieder irritiert aus. Ist halt ein Vollkornbrot-Kind... ;)

Hier kamen das Haselchen und ich nach der doch recht anstrengenden Anreise erst so richtig zur Ruhe und begannen, zu genießen. Und stellten fest, dass es sich doch gelohnt hatte, herzukommen.

Sehr positiv fiel mir hier übrigens auf, dass sich NIEMAND auch nur ansatzweise daran störte, dass da jetzt ein Einjähriger in der fancy Lounge war. Ich meine ok, er ist nicht brüllend durch die Gegend gerannt und hat alle Tische abgeräumt. Er hatte keinen Tobsuchtsanfall vor dem Kuchenbuffet oder hat mit Spielzeug nach anderen Gässte geworfen oder sonstwas in der Art. Aber er war auch nicht die ganze Zeit mucksmäuschen still. Er hat auch schon mal krakehlt, wenn er sein Auto weggeworfen hatte und wir ihn davon abhielten, sich über die Sofalehne hinterher zu werfen. Und er hat auch beim Frühstück deutlich hörbar nach der Brust verlangt. Und später kundgetan, dass es ihm langweilig ist. Aber er war genauso Gast, wie alle anderen auch. Die Bedienung freute sich jedes Mal, ihn zu sehen und die anderen Gäste winkten ihm meist lächelnd zu und waren ganz entzückt, wenn er zurück winkte.








Das Restaurant

Danach ging es zum Buffet-Restaurant. Abendessen. Das war nicht mitgebucht, aber hungern wollten wir ja nun nicht. Also auf ging's. Und es war toll! Dass die Großen an einem guten Buffet so ihre Freunde haben würden, war ja zu erwarten. Aber die Menge und Auswahl, die der kleine Rabe futtere - und mit welch einer Wonne! Wurst, Käse, Brot, Kartoffeln, Oliven, saure Gurke, Tomate, Fisch, Meeresfrüchte, Broccoli, Blumenkohl, Mais, grüner Spargel, Obst. Alles. Queerbett und durcheinander und mit so viel Appetit, dass es eine Freude war, ihm zuzusehen. Es wurde ihm auch gar nicht langeweilig. Ok, zwischendrin fuhr er ja auch mit uns das Buffet entlang in seinem Hochstuhl oder trommelte mit bunten Stäbchen auf den Tisch. Aber es war echt toll.

Am nächsten Abend waren wir wieder da und es war ein ganz kleines bisschen anstrengender, weil er müder war. Aber trotzdem. Mit einem Einjährigen zum Buffet ist viel, viel besser, als ich erwartet hätte!









Das Beste: der Pool

Einer der Hauptgründe, weshlab wir das Hotel ausgesucht hatten war – neben der Club Lounge und dem Preis – der Pool. Beziehungsweise die Pools. Es gab einen drinnen und einen draußen. Letztendlich waren wir nur im Außenpool. Drinnen hallte es nämlich und das Becken war etwas kleiner. Sodass hier der kleine Rabe Angst vor den anderen Kindern, die hier wild tobten, hatte. Außerdem war das Wasser dort recht kühl, während es draußen schon fast Badewannentemperatur hatte (bei 40 Grad Außentemperatur über mehrere Tage ja auch kein Wunder). Hier planschten wir zweimal täglich und drehten lustige Videos mit der GoPro. Der kleine Rabe hatte einen extra Schwimmreifen. Aber panische Angst vor selbigem. Also liesen wir den Reifen Reifen sein und wateten, hüpften und planschten mit ihm auf dem Arm durchs Wasser. Und da mag jetzt die eigene Schwimmbegeisterung oder der allgemeine Schlafmangel aus mir sprechen, aber wir hatten beiden zwischendurch den Eindruck, dass er versuchte, zu schwimmen. Also nicht nur auf unserem Arm herumhing, sondern bewusst mit den Füßen paddelte, während wir ihn unter den Armen festhielten.






Die Nächte

Die Nächte waren besser, als ich befürchtet hatte. Nachdem der kleine Rabe schlief, setzten das Haselchen und ich uns ins Bad auf den Boden und redeten bei einem Gläschen (von zu Hause mitgebrachtem) Rotwein und (aus der Club Lounge geholtem) Ginger Ale. Seltsam fühlte sich dabei an, dass mal KEIN babzmonitor vor uns stand. Was uns in der Folge dann gleich dazu veranlasste, immer mal wieder aufzustehen und nachzusehen, ob mit dem kleinen Raben direkt nebenan auch alles ok sei. Helikopteralarm, ich weiß... Aber wir können halt doch nicht aus unserer Haut.

Schlafen klappte dann auch gar nicht so schnelcht – Kingsize Bett sei dank war genug Platz für alle und das Haselchen schnarchte nur zwischendurch mal so, dass es mich nervte. Und so müde von der ganzen Aufregung und dem Schwimmen schlief der kleine Rabe auch wie der niedlichste kleinen Stein, den ich je gesehen habe. Ganz besonders für seine Verhältnisse...


Die Rückfahrt

Der Rückweg war vergleichsweise ereignislos. Das Hotel rief uns ein Taxi (wieder mit Sicherheitsgurt! WOW!), das uns zum Bahnhof brachte. Dort stampften wir mit Gepäck und Kinderwagen und Kind auf dem Arm eine Treppe runter zum Ticketschalter und dann wieder hoch, um dann letztendlich in der Wartehalle festzustellen, dass wir och wieder runter mussten. -_- Nun ja. Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben... der kleine Rabe war dann recht genert beziehungsweise eingeschüchert von den aufdringlichen Mitreisenden, die unbedingt wollten, dass ihre eingeschüchterten Kleinkinder zu dem Laowei Baby gehen sollen und das mit Fucheln und Krakeelen untermalten. Und dann versuchten, den kleinen raben direkt selbst zu betatschen. Das kann ich ja leiden... Aber leider kann ich es auf Chinesisch nicht erklären. Also nahm ich ihn einfach auf den Arm und ging mit ihm weg. Im zug war er dann ganz aufgedreht und hampelte auf meinem Schoß herum. Bis ein anderer Schnellzug an un vorbei fuhr, er sich erschrak, zusammenzuckte und ich dann ganz fest an mich klammerte. Süßes armes kleines Häschen!

Zurück in Shanghai dann hatten wir einen furchtbaren Taxifahrer und eine nervenaufreibende Fahrt. Und auch die Nacht danach war hart. Offenbr noch zu aufgekratzt von den ganzen Erlebnissen wachte der klene Rabe ungelosen jede Stunde auf und beruhigte sich erst, wenn ich mit ihm sprach oder ihn hoch nahm oder sonstwie richtig aktiv wurde. Einfach nur kuscheln oder stillen reichte nicht. Dementsprechend war ich dann körperlich am nächsten Tag im Büro ziemlich durch den Wind. Aber mental war dieser kleine Kurztrip wie eine komplette Woche Urlaub.

Dienstag, 16. August 2016

Unser Stoffwindelversuch Klappe die erste

Der kleine Rabe wacht schon seit Wochen jeden Morgen mit einer (fast) trockenen Windel auf. Bei seinem nächtlichen Stillvolumen eigentlich sehr beachtlich... Dafür wird er dann bald sehr ungeduldig und will aufs Töpfchen, das dann auch in kürzester Zeit halb voll ist. Also nachdem er schon mit "teilzeit Windelfrei" durch Abhalten und Töpfchen praktisch sauber ist, sind wir nun auch auf dem Weg Richtung trocken werden angekommen.
Daher kommt es mir immer mehr wie die größte Verschwendung vor, wenn wir ihn abends in eine Pampers wickeln. Und so kam uns der Gedanke, zumindest nachts mal Stoffwindeln auszuprobieren, sehr gut vor.
  
Warum bis jetzt Pampers
  
Bis jetzt haben wir immer mit Wegwerfwindeln gewickelt weil uns Stoffwindeln kompliziert vorkamen. Da gibt es extra Beratungen für, das muss also ein komplexes Thema sein. Da gibt es verschiedene Systeme und Modelle und offenbar muss man erstmal herausfinden, welche Marken dann auch gut sind und all sowas. So einen großen Recherche-Aufwand betreibe ich für einen Autositz und ähnlich wichtige Dinge, aber doch nicht für jeden Pipikram. Der Tag hat nur 24 Stunden... Und wenn man es falsch macht, hat man eine riesen Sauerei. Oder schlimmeres.

Außerdem fand ich bei meiner Suche online hier nicht das, was ich gesucht hatte. Dank Google translate stieß ich zwar auf Stoffwindeln - aber so richtig oldschool, einfach Mulltücher, die nach dem kunstvollen Wickeln mit Klammern gehalten wurden. Nee, bei aller Liebe, damit wären wir definitiv nicht klar gekommen. Und so gingen wir davon aus, hier eh keine gescheiten Stoffwindeln kaufen zu können. Also blieben wir halt bei Huggies und Pampers.
 
Danke, Twitter-Menschen!
 
Darüber sinierte ich neulich bei Twitter. Also, dass wir es ja mal mit Stoffwindeln versuchen wollen würden, aber wohl hier keine finden könnten. Darauf hin bekam ich von meiner wundervollen Bubble sofort ganz viele Hinweise, Tips und Aufmunterung, es zu versuchen. Und siehe da, Dank der lieben Internetmenschen fanden wir Stoffwindeln auf Taobao. Und bestellten gleich mal eine kleine Reihe verschiedener Modelle um zu testen, womit wir am besten klar kommen. Die Windeln sind übrigens alle chinesische Marken. Und am teuersten waren die Schlüppies mit umgerechnet knapp 2,5 Euro. Also falls wir von den Stoffies überzeugt werden, kaufen wir dann wohl hier gleich nen kompletten Satz in allen Größen...
  
Die Schlüppis

Das sind eigentlich gar keine echten Windeln mehr. Aber wir haben sie trotzdem mal gekauft. Unterhosen mit saugfähiger Innenhose aus Frottee und wasserdichter Folie dazwischen. Ich bin gespannt, ob da an den Beinen viel auslaufen wird... 




Die All-in-ones

Innen drin mehrere Lagen Stoff zum Saugen (simple Baumwolle - mal schauen, wie saugfähig das wohl wird...), eine Schicht Folie und bunt bedruckte Baumwolle oben drüber. Das ganze mit Knöpfen am Gummiband. Wohl eine sehr einfache Version einer AIO Stoffwindel.
 



Die Zweiteiligen

Bis jetzt so theoretisch meine Favoriten. Der kuschelige Baumwoll-Saugteil wird in die Überhose mit seitlichem Auslaufschutz an den Beinen gelegt und dann macht man alles mit Klettverschlüssen zu.
 



Und nun?

Jetzt gerade hängen alle Windeln erstmal frisch gewaschen auf dem Balkon. Und ich kann es kaum erwarten, dass sie nachher trocken sind und wir zum ersten Mal mit Stoff wickeln können. Ansonsten ist es ja eigentlich für ein Fazit noch viel zu früh, denn bis jetzt haben wir keine Stoffwindeln benutzt. Aber trotzdem kann ich jetzt schonmal feststellen: Ich war doof. Denn das ist ja alles gar nicht kompliziert und verwirrend!

Sonntag, 14. August 2016

Immerhin ist er bei Papa!?!

Nachdem ich euch davon erzählt habe, was für eine süße Glucke das Haselchen ist, muss ich auch mal loswerden, wie sehr mich die Reaktionen der anderen Leute auf die Tatsache, dass er aktuell hauptberuflich Papa ist, manchmal nerven.


Unsere Lösung

Bei uns ist es halt so, dass ich, seit der kleine Rabe 6 Monate alt ist, wieder vollzeit arbeiten gehe. Ich wäre gerne länger zu hause geblieben, weil ich lieber Zeit mit meiner Familie denn mit wildfremden Kunden verbringen würde. Aber es war nicht möglich. Is halt so. Seitdem ist das Haselchen, der schon zuvor von zu Hause aus selbstständig gearbeitet hatte, hauptsächlich Hausmann und Vater. Er arbeitet derzeit nicht viel, weil es einfach aus verschiedenen Gründen mit seinem business nicht so prickelnd lief und er sich stattdessen auf die „Care-Arbeit“ konzentriert.

Wir sind damit beide soweit zufrieden, wie es bei uns läuft. Und damit könnte jetzt ja alles im Lot sein. Unsere Familie, unsere Lösung. Mama, Papa und Kind glücklich. Aber es nervt mich ungemein, wie bis dato ALLE Außenstehenden auf diesen Umstand reagiert haben.


WENIGSTENS beim Papa

Dabei ging es bei uns weniger darum, dass er den Haushalt schmeißt und ab und an selbstständig von zu Hause aus arbeitet. Dafür wurde er mehr bewundert (vor allem den Haushalt und seine Kochkünste) und beneidet. Viel mehr war da ein gewissen Mitleid dafür, dass der Papa sich um das Baby kümmert. Unterschwellig, ja, aber es war da. Für den Papa auch (so von wegen, „Oh, das ist aber anstrengend für einen Mann“ – WTF?! Und für eine Frau nicht oder was?!), aber in erste Linie für das Baby. Die Unterhaltungen liefen meist in etwa so ab:

„Oh! You are back at work! So – who is taking care of your baby now? Your mother? Or you hired some nanny or something?”
“No, no. The baby is at home with my husband. He used to work from home and is a full time daddy for now.”
“Oh, ok. Well, at least the baby is with the father.”

Das klingt ja erstmal ganz ok soweit. Anfangs dachte ich mir auch bei der Reaktion nix. Aber: Nach einer Weile fiel mir dieses „at least“ auf. Also war das ja eigentlich gar kein „Ah, ok, er ist beim Papa“. Nee. Da steckte ein „Naja, wenigstens“ mit drin. Kein „Oh, schön, liebevoll beim Elter betreut“, sondern ein „Hach, wenigstens das kleine Übel“.

Ja, Fremdbetreuung wäre für uns hier nicht in Frage gekommen (ich hatte dazu mal ausführlicher geschrieben, Kurzfassung: einer chinesischen Ayi hätte ich mein 6 Monate altes Baby im Leben nicht anvertraut und würde ich auch meinen Einjährigen nicht anvertrauen). Und ja, es wäre schön gewesen, wenn ich länger hätte zu Hause bleiben können. Weil ich mein Baby vermisse und weil ich gerne zu Hause bin und weil er so schnell groß wird und weil das Abpumpen und Flaschen waschen etc. nervig aufwendig ist und das mit dem Trinken aus der Flasche zunächst ein bisschen Übung brauchte, da unser kleiner Rabe eigentlich lieber die Brust gehabt hätte. Aber das ist Pipifax und das waren wenige Wochen der Umstellung.

Aber was zum Henker soll dieses „Naja, wenigstens“ beim Papa?!


Surprise: Väter sind auch Eltern

Daran, dass hauptsächlich der Vater sich um sein Baby kümmert, gibt es kein „Naja, wenigstens“. Da ist kein „kleineres Übel“. Da ist gar kein Übel. Da ist ganz viel Liebe und Fürsorge, Zuwendung, Aufmerksamkeit, Geduld und Herz. Ob das alles von einem Menschen mit Eierstöcken oder einem mit Eiern kommt, ob die Hauptbezugsperson Brüste oder Brusthaar hat, das ist doch dem Kind egal (ok, vielleicht bis auf die Brüste). Ein Papa kann sein Kind genauso lieben und genauso gut versorgen, wie eine Mama. Oder sogar besser, je nach Eltern. Der absolut einzige Unterschied ist doch, dass das Haselchen halt nicht stillen kann. Aber bei einem Flaschenkind käme doch auch niemals jemand auf den Gedanken zu sagen „Hach, naja, wenigstens ist das Kind bei der Mutter“. Daran kann es doch also auch nicht liegen. Das ist doch absurd!

Ein Penis hindert nicht daran, ein Kind zu tragen. Testosteron sorgt nicht dafür, dass man unfähig zum Trösten, Umarmen und Kuscheln ist. Eine Prostata unterdrückt weder Einfühlungsvermögen, noch Geduld oder Kreativität. Hoden hindern einen nicht daran, Flasche zu geben oder ein Kind zu füttern. Kein Mensch benötigt einen Uterus, um einen Kinderwagen zu schieben. Eierstöcke sind keine Voraussetzung zum Wickeln. Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen.


People are idiots

Das Haselchen ist dem kleinen Raben das beste Elter überhaupt. Ich weiß nicht, ob es vielleicht daran liegt, dass er selbst ohne Vater aufgewachsen ist und sich deshalb schon immer selbst versprochen hatte, es später einmal besser zu machen und ein richtiger, guter Vater zu sein. Aber wenn ich morgens das Haus verlasse, dann weiß ich, dass unser Kind bei seinem Papa MINDESTENS so gut aufgehoben ist, als wenn er zur Arbeit fahren und ich zu Hause bleiben würde.

Ich weiß, es kommt von diesen vollkommen willkürlichen Klischees der Gesellschaft, was männlich und was weiblich ist und was Frauen und was Männer gut oder nicht so gut können. Aber wieder einmal kann man dazu doch nur ganz laut brüllen: BULLSHIT!

Er selbst sagt zu dem ganzen Rant, den ich ihm eben grob mit „Ich verstehe einfach nicht, warum die Leute immer meinen, ein Vater wäre automatisch ein schlechteres Elter als eine Mutter“ umrissen habe übrigens nur: „Cause people are idiots!“.

Dem wäre dann wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Freitag, 12. August 2016

12 von 12 August 2016

12 Bilder vom 12. Des Monats. Das ist 12 von 12. Mehr davon gibt es auf Draußen nur Kännchen.

#ausgründen ohne Erklärung 

Spielzeug aus dem Vorhof der Hölle Part I: Das Schaf des Grauens

Spielzeug aus dem Vorhof der Hölle Part II: Der Paint job des Grauens 

#nofilter - einfach ein cooler Schlüsselanhänger 

Früh übt sich, wer ein echter Rocker werden will... 

Eigentlich auch grauselig, aber da es so wunderbar nach Comic aussieht, finde ich es wieder gut 

Das aller, aller erste "Bild" des kleinen Raben 

Nicht sicher, ob furchtbar, pädagogisch wertvoll oder moderne Kunst... 

Spielzeug aus dem Vorhof der Hölle Part III: Der Roboter auf dem Skateboard... Des Grauens! 

Nach dem Abendessen hat das Haselchen "nur noch schnell" ein Brot gemacht 

Frühstück für morgen vorbereiten - Ich muss wieder arbeiten. -_-

Gute Nacht von unserem super positiven Zahnputzbecher :D

Mittwoch, 10. August 2016

Mein Mann die Glucke

Ich liebe das Haselchen ja wirklich sehr. Er ist der beste Ehemann, den ich mir nur wünschen könnte. Und er ist absolut der beste Papa, den ich mir für unseren kleine Raben nur wünschen könnte. Aber ich muss einfach mal loswerden, wie amüsant ich es finde, dass er auch die größte männliche Glucke ist, die ich kenne.

Es gibt ja immer diese ganzen mehr oder minder lustigen Bilder dazu, wie „salopp“ Väter angeblich mit ihren Kindern oder Babies umgehen. Das kann ich für uns auf keinen Fall bestätigen. So von wegen am Fuß haltend tragen, nicht wissen nicht wie ein Body angezogen wird, sperren sie in Käfige um in Ruhe Konsole spielen zu können usw. All sowas ist bei uns gar nicht. Aber so absolut und überhaupt gar nicht. denn das Haselchen betüddelt und behütet einen Sohn fast wie ein rohes Ei.

Was im Übrigen noch, wie ich finde, viel amüsanter wird, wenn ich dabei bedenke, wie er aussieht: Fast 190 cm, 115 kg, lange schwarze Haare, langer schwarzer Bart, viele Ringe, mehrere Piercings, einen Arm komplett volltätowier, auf einer Hand einen Totenkopf, auf der andere eine Schlange tätowiert und grundsätzlich IMMER irgendwas mit Totenköpfen und Nieten an sich. Also jetzt nicht unbedingt so der behütend-mütterliche Typ, wie man ihn sich im Allgemeinen vorstellt...

So sieht Vaterliebe auch aus 

Es wird so ganz langsam aber sicher ein wenig „besser“*, aber er behütet den kleinen Mann trotzdem noch immer sehr.

Wenn ich nicht zu Hause bin, lässt er den kleinen Raben nie mehr als 2 Minuten aus den Augen. Und das auch nur, wenn er irgendwo sitzt, wo er sich weder wehtun, noch irgend etwas, das er nicht essen sollte, essen könnte (Taschentücher etc). Der Kleine sitzt also auch auf seinem Spieleteppich im Wohnzimmer mit einem Kissen hinter sich nie länger als 2 Minuten alleine. Für das Haselchen heißt das auch, dass er, so lange ich nicht zu Hause bin, keine Haare waschen geht. Zum Beispiel. Er kocht auch immer erst dann, wenn ich von der Arbeit zurückgekommen bin. Also zumindest für uns bzw. für sich.

Für den kleinen Raben kocht er regelmäßig (nicht täglich, da er auch was einfriert). Immer eine Extraportion abseits von unserem Essen wegen der Gewürze, aber mit genauso viel Phantasie und Hingabe wie für uns. Er hat jetzt sogar schon angefangen, es toll anzurichten. Und ich bin mir sicher: Sobald der kleine Rabe das ein bisschen mehr zu schätzen weiß, wird er ihm auch die dollsten Lunchboxen packen. Ich sehe uns schon hunderte von Euros für Bentosets etc pp raushauen... ;-)

Papa ist ein richtiger Sternekoch 

Der kleine Rabe hat, seit er bei uns ist, noch nie länger als 1-2 Minuten weinen müssen. Und das dann in wirklichen Ausnahmesituationen, wenn er schlief, nur einer von uns alleine zu Hause war, und der Kleine genau dann wach wurde, wenn derjenige gerade das Katzenklo sauber gemacht hat (wo man den Babymonitor nicht so aufstellen kann, dass man ihn sieht, sondern halt erst was hört, wenn es dann schon etwas lauter ist) und sich noch schnell die Hände waschen musste zum Beispiel. Ansonsten reagiert das Haselchen sogar noch schneller als ich auf Bekundungen von Unmut. Beispielsweise abends warte ich inzwischen immer erstmal ein bisschen ab, wenn der kleine Rabe unruhig wird. Also ich lasse ihn nicht weinen oder gar schreien, aber wenn er im Begriff ist, aufzuwachen, im Halbschlaf mit den Armen wedelt oder den Beinen strampelt und leicht griesgrämige Laute von sich gibt, warte ich erstmal ab, ob er sich nicht vielleicht doch wieder beruhigt und weiter schläft. Das bringt mir regelmäßig böse Blicke und Schimpfe vom Haselchen ein.

Und tja, dass der kleine Rabe unter MEINER Obhut einmal vom Bett gefallen und einmal in der Wanne weggeflutscht und halb eingetaucht ist, das trägt mir das Haselchen bis heute noch nach. Denn bei IHM ist so was noch nicht einmal im Ansatz passiert – und ich schätze, das wir es auch in absehbarer Zukunft nicht...


* Nicht, dass ich es "schlimm" finden würde. Ich finde das toll und unglaublich süß. Also ihr wisst schon, was ich mit "besser" meine...

Montag, 8. August 2016

Warum mein Kind mich nicht nervt

Oft sind Mütter (und auch Väter, for that matter) von Ihren Kindern genervt. Sie wollen ihre Ruhe haben, es soll sich mal jemand anderes um den Nachwuchs kümmern, sie brauchen Zeit für sich. Und so verständlich ich das auch alles finde*, so fremd ist es mir**.

 

Wenn der kleine Rabe mich morgens früh aufweckt, dann will ich Kaffee. Aber er nervt mich nicht. Viel mehr bekomme ich sofort gute Laune, weil einfach niemand so süß „Kaka“ sagen kann, wie er. Und wenn er dann auch noch vor Begeisterung fast ausflippt, weil der Kater aufs Bett gesprungen kommt, dann ist das einfach ansteckend.

 

Wenn er kleine Rabe beim Frühstück alles auf den Boden schmeißt, das er in die Finger bekommt, und versucht, mit einem Stäbchen oder Fächer oder sonstwas auch meine Kaffeetasse vom Tisch zu fegen, dann stöhne ich theatralisch beim Aufheben, kichere und stelle meine Tasse weiter weg. Aber er nervt mich nicht. Viel mehr mache ich mir einen Spaß daraus, beispielsweise Sachen doch noch in der Luft zu fangen und zu beobachen, wie er schon – in Erwartung eines Knalls – die Aufgen zusammenkneift und dann ganz verdattert guckt, wenn doch nichts passiert.

 

Wenn der kleine Rabe beim Spielen irgendwas entdeckt, das er unbedingt haben will, aber nicht darf (beispielsweise Papas E-Zigarette, ein Messer, eine Schere etc.) und deshalb nicht dran kommt und und pissig wird, also quäkt und motzt, dann erkläre ich ihm, was das ist und warum er damit nicht spielen darf, lege es aus seinem Blickfeld und lenke ihn mit etwas anderem ab. Aber er nervt mich nicht. Viel mehr bin ich fasziniert, dass er trotzdem noch trotzig auf den jeweiligen Schrank, die Schublade etc. zeigt, weil er weiß, dass da das Teil drin ist, das er haben will. Und ich freue mich, dass ich ihn dabei begleiten darf, die Welt der Dinge und Gefühle zu entdecken.

 

Wenn der kleine Rabe mir beim Stillen die Finger in die Augen sticht und mich in der Nase mit seinen kleinen, scharfen Fingernägel kratzt, dann mache ich die Augen zu, drehe gegebenenfalls den Kopf weg und schnappe im Spiel einfach nach seinen Fingern, weil meine Zähne etwas weniger schmerzempfindlich sind als meine Nasenscheidewand. Aber er nervt mich nicht. Viel mehr genieße ich es, wenn er vorsichtig mit meinen Wimpern spielt oder interessiert über meine Augenbrauen streicht. Und ich ginse jedes Mal wieder über die GoT-Referenz, wenn er mir mit beiden Daumen auf die Augen drückt.

 

Wenn der kleine Rabe sein Nickerchen nicht halten kann, ohne dass ich bei ihm liege und er ununterbrochen nuckeln will, dann halte ich auch ein Schläfchen oder dödel auf meinem Handy herum oder genieße unsere Nähe. Aber er nervt mich nicht. Viel mehr genieße ich die Ruhe für mich und die gemeinsame Zeit.

 

Wenn der kleine Rabe beim Mittagessen kaum Hunger hat und statt mich essen zu lassen meckert und auf meinen Arm will, dann esse ich schnell mit einer Hand und lenke ihn mit einem Spielzeug ab. Aber er nervt mich nicht. Viel mehr fühle ich mich geehrt und glücklich, dass er mich lieb hat und zu mir will.

 

Wenn der kleine Rabe nölig und knötterig wird, weil er gelangweilt ist, dann nehme ihn auf den Arm, hopse mit ihm durch die Wohnung, kitzle ihn durch oder sonstwas. Aber er nervt mich nicht. Wie könnte sein Wunsch nach Aufmerksamkeit mich denn nerven?! Er will mit mir interagieren und ich freue mich darüber.

 

Wenn der kleine Rabe sein Abendesen zermatscht, ausspuckt, dann doch wieder in den Mund steckt und sich in die Haare schmiert, dann lache ich mit ihm über die lustigen Geräusche und Formen und Farben, bade ihn hinterher und schmeiße die Klamotten in die Waschmaschine. Aber er nervt mich nicht. Viel mehr freue ich mich, dass er Essen mit wirklich allen Sinnen erfährt und genießt. Und, mal unter uns, ich esse auch gerne mit den Fingern! ;-)

 

Wenn der kleine Rabe bis nach 21:00 Uhr wach ist und ich mit dem Abendessen warten muss oder nur noch ein paar Minuten Zeit am Abend alleine mit dem Haselchen habe, dann ist das halt einfach mal so und ich bleibe bei ihm liegen, stille und kuschle ihn und singe ihm sein Schlaflied vor, bis er eingeschlafen ist. Aber er nervt mich nicht. Er wird das mit dem selbst und alleine Einschlafen irgendwann einach können und dann haben das Haselchen und ich ganz viel Zeit füreinander. Und bis dahin habe ich ganz viel Zeit am Abend für und mit meinem Kind.

 

Wenn der kleine Rabe nachts unruhig schläft, dauernd nuckeln oder stillen will und mich dabei tritt, dann schlafe ich halt schlecht, lasse ihn nuckeln oder stillen und nehme mir vielleicht am nächsten Morgen ein paar Stunden frei, um länger mit ihm liegen bleiben zu können, wenn ich zu kaputt bin. Aber er nervt mich nicht. Selbst dann nicht, wenn ich meine Tage bekomme und jeder Tritt in den Bauch so unangenehm ist wie in der frühen Schwangerschaft. Ich genieße diese Nächte nicht. Aber sie sind halt einfach so und er kann doch auch nichts dafür, dass er vielleicht einen Zahn bekommt, ihm ein Pups quer steckt oder er schlecht träumt. Viel mehr habe ich Mitleid mit ihm – und leide halt auch wirklich ein bisschen mit ihm. Aber ich bin glücklich über unsere Nähe und (Ver-) Bindung zueinander.

 

 

Etwas, das mich nervt, wünsche ich mir in diesem Moment weg. So wie Regen, andere Leute um mich, schlechte Musik im Radio, Stau, Kopfschmerzen oder auch so manche Verhaltensweise oder Angewohnheit meines Mannes, weil er es nämlich auch besser wissen müsste. Aber mein Kind? Nein, das kann mich nicht nerven. Nicht eine einzige Sekunde lang. Denn nicht für den Bruchteil einer Sekunde würde ich ihn weg wünschen. Und nichts was er tut, das mich stören könnte, ist wirklich schlimm oder beabsichtigt oder er müsste es besser wissen. Er ist einfach perfekt so, wie er ist. Und wenn er etwas besser wissen müsste, dann ist es meine Aufgabe, es ihm zu erklären, zu zeigen, erleben und verstehen zu lassen, sodass er es auch wirklich besser wissen kann. Meine Aufgabe ist nicht, davon genervt zu sein, dass er etwas, das er nicht wissen oder verstehen kann nicht weiß oder nicht versteht. Er ist kein kleiner Erwachsener, sondern ein Kleinkind.

 

Jede Minute, die ich mit meinem Kind verbringen darf, ist ein Geschenk. Nichts auf dieser Welt hat mich jemals so glücklich, so stolz und so erfüllt gemacht, wie dieser kleine Mensch. Ich liebe ihn mit meinem ganzen Herzen und meiner ganzen Seele. Viel mehr und ganz anders, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Und bald ist er groß. Es wird mir wie ein Augenblick vorkommen, bis er eingeschult wird, Schulabschluss feiert, auszieht und eine eigene Familie gründet. Von dem Moment seiner Geburt an wurde und wird er immer mehr und mehr unabhängig von mir. Das ist toll. Aber es ist auch ein bisschen traurig. Auf dem langen Lebensweg, den er hoffentlich vor sich hat, darf ich ihn nur ein kleines Stück wirklich intensiv begleiten. Und von dieser kurzen Zeit will ich jeden so vergänglichen Moment auskosten und genießen. Nein, mein Kind kann mich nicht nerven.

 

 

 

*hier noch einmal ganz deutlich: Ich kann es wirklich verstehen. Denn jeder Mensch ist anders, jedes Kind ist anders und ich vermute, ich würde das auch alles ein wenig anders empfinden, wenn ich zu Hause wäre und nicht arbeiten gehen müsste und daher meine zeit mit dem kleinen Raben nicht ohnehin schon so schmerzlich stark begrnzt wäre. Und es wird sich wohl auch nochmal änden, wenn der Kleine größer wird, richtige Wutanfälle hat, die Wände mit meinem besten Lippenstift anmalt oder sonstwas. Und allerspätestens dann in der Pubertät sowieso...

 

** Ok, bis auf die Zeit für sich, die brauche ich, um meine Haare in Ruhe zu waschen (die sind ziemlich lang und pflegebedürftig). Aber das ist so etwa eine Stunde pro Woche.